Unternehmenswerte im Mittelstand: Warum Haltung das Herzstück einer starken Unternehmenskultur ist
- 11. Dez. 2024
- 5 Min. Lesezeit
Aktualisiert: 18. Jan.
Fachkräftemangel, Transformation, gesellschaftlicher Wandel – viele mittelständische Unternehmen stehen vor großen Herausforderungen. Doch während Prozesse, Tools und Strategien ständig angepasst werden, bleibt ein entscheidender Faktor oft diffus: die Unternehmenswerte. Dabei sind sie das Herzstück einer guten Unternehmenskultur, Grundlage für gute Entscheidungen und ein echter Wettbewerbsvorteil. In diesem Artikel erfährst du, warum Unternehmenswerte weit mehr sind als schöne Worte, welche Rolle sie im Arbeitsalltag spielen – und wie du sie so formulierst, dass sie Orientierung geben, Identität stiften und Unternehmenserfolg langfristig sichern.

Warum Unternehmenswerte heute wichtiger sind denn je
Orientierung in einer komplexen Arbeitswelt
Unsere Arbeitswelt ist schneller, komplexer und unsicherer geworden. Mitarbeitende erwarten nicht mehr nur einen sicheren Arbeitsplatz, sondern Sinn, Haltung und Orientierung. Genau hier kommen Unternehmenswerte ins Spiel. Sie wirken wie ein innerer Kompass: Sie helfen Menschen, Entscheidungen zu treffen, Prioritäten zu setzen und auch in schwierigen Situationen handlungsfähig zu bleiben.
Gerade im Mittelstand – häufig inhabergeführt, mit gewachsenen Strukturen und starken Persönlichkeiten – sind Werte oft implizit vorhanden. Sie wurden gelebt, aber nie formuliert. Das funktioniert erstaunlich lange gut. Doch sobald Organisationen wachsen, neue Mitarbeitende dazukommen oder Transformation ansteht, reicht dieses „stille Einverständnis“ nicht mehr aus.
Unternehmenswerte als Basis für Vertrauen
Unternehmenswerte beeinflussen die Unternehmenskultur. Sie zeigen, wie in einer Organisation gearbeitet wird, wie Führung verstanden wird und wie Zusammenarbeit funktioniert. Für Mitarbeitende, Kund:innen und Partner:innen sind sie ein wichtiges Signal: Wofür steht dieses Unternehmen wirklich? Kann ich mich darauf verlassen?
Studien und Umfragen zeigen immer wieder: Eine positive Unternehmenskultur steigert Mitarbeiterbindung, Motivation und langfristigen Erfolg. Werte sind damit kein „Soft Topic“, sondern ein harter Erfolgsfaktor.
Was sind Unternehmenswerte eigentlich? Eine klare Definition
Mehr als Leitlinien an der Wand
Unternehmenswerte sind die grundlegenden Überzeugungen und Prinzipien, die das Denken, Entscheiden und Handeln in einer Organisation prägen. Sie beantworten Fragen wie:
Wie gehen wir miteinander um?
Was ist uns in der Zusammenarbeit wichtig?
Wie treffen wir Entscheidungen?
Welche Verantwortung übernehmen wir – intern wie extern?
Wichtig: Unternehmenswerte sind nicht gleich Unternehmensziele. Ziele können sich ändern, Werte bleiben. Sie sind das Fundament, auf dem Strategie, Identität und Kultur aufbauen.
Der Unterschied zwischen Werten, Kultur und Identität
Diese Begriffe werden oft durcheinandergeworfen. Kurz und verständlich:
Unternehmenswerte: Das normative Fundament (Überzeugungen, Prinzipien)
Unternehmenskultur: Das gelebte Verhalten im Alltag
Identität: Das Selbstverständnis des Unternehmens nach innen und außen
Oder anders gesagt: Werte prägen Kultur. Kultur formt Identität.
Dieser Artikel ist der erste Teil unserer Reihe zur Markenentwicklung im Mittelstand. In dieser Serie geht es darum, wie Du als Inhaber:in oder Kommunikationsverantwortliche:r den Markenkern Deines Unternehmens sichtbar machst – für Mitarbeitende, Kund:innen und den Markt von morgen.
Teil 1: Unternehmenswerte im Mittelstand: Warum Haltung das Herzstück einer starken Unternehmenskultur ist
Welche Arten von Unternehmenswerten gibt es?
Permission to Play Values
Diese Werte sind die Mindestanforderungen. Sie beschreiben Grundprinzipien wie Respekt, Ehrlichkeit oder Verlässlichkeit. Wichtig – aber kein Differenzierungsmerkmal. Sie sind Voraussetzung, um überhaupt Teil der Organisation zu sein.
Core Values
Die eigentlichen Kernwerte. Sie beschreiben, was euer Unternehmen im Innersten ausmacht und wie ihr Dinge anders macht als andere. Core Values beeinflussen Entscheidungen, Führung und Zusammenarbeit spürbar.
Aspirational Values
Werte, die (noch) nicht vollständig gelebt werden, aber angestrebt sind. Zum Beispiel Innovation, Diversität oder Nachhaltigkeit. Wichtig ist hier Ehrlichkeit: Aspirational Values brauchen einen klaren Entwicklungsplan, sonst bleiben sie leere Worte.
Accidental Values
Werte, die sich unbewusst entwickelt haben – etwa durch die Persönlichkeit der Gründer:innen oder durch langjährige Routinen. Sie können positiv sein, aber auch hinderlich. Deshalb lohnt sich ein kritischer Blick auf den Ist-Zustand.
Unternehmenswerte im Mittelstand: Eine besondere Rolle
Nähe als Vorteil
Mittelständische Organisationen haben einen großen Vorteil: kurze Wege, direkte Kommunikation und ein starkes Gemeinschaftsgefühl. Werte entstehen hier oft aus der Unternehmensgeschichte, aus der Gründung heraus, aus konkreten Erfahrungen.
Doch genau das macht sie manchmal unsichtbar. „Das wissen doch alle“ ist ein Satz, der häufig fällt – bis neue Mitarbeitende dazukommen oder Führungskräfte wechseln.
Werte sichtbar machen, ohne sie zu verkopfen
Es geht nicht darum, ein Hochglanz-Manifest zu schreiben. Sondern darum, Sprache zu finden für das, was ohnehin da ist. Gute Unternehmenswerte sind:
verständlich
konkret
alltagstauglich
anschlussfähig für Mitarbeitende
Warum Unternehmenswerte direkten Einfluss auf den Unternehmenserfolg haben
Bessere Entscheidungen innerhalb des Unternehmens
Werte wirken wie Filter. Sie helfen Führungskräften und Teams, schneller und konsistenter Entscheidungen zu treffen. Besonders in unsicheren Situationen sind sie eine stabile Grundlage.
Stärkere Mitarbeiterbindung im Unternehmen
Menschen bleiben dort, wo sie sich gesehen fühlen. Eine Unternehmenskultur, die auf klaren Werten basiert, fördert Identifikation, Loyalität und langfristige Zusammenarbeit.
Zum Unternehmen, das Personal anlockt
Gerade im Wettbewerb um Fachkräfte sind Unternehmenswerte ein zentrales Element im Employer Branding. Bewerber:innen achten zunehmend darauf, ob Haltung und Verhalten zusammenpassen.
Wettbewerbsvorteil durch Klarheit
In gesättigten Märkten ähneln sich Produkte und Lösungen. Werte schaffen Differenzierung – nicht laut, sondern glaubwürdig.
Unternehmenswerte entwickeln: Schritt für Schritt
1. Den Ist-Zustand analysieren
Bevor neue Werte formuliert werden, lohnt sich der Blick nach innen:
· Wie arbeiten wir aktuell zusammen?
· Welche Prinzipien prägen Entscheidungen?
· Was sagen Mitarbeitende, Führungskräfte, Kund:innen?
Befragung der Mitarbeiter*innen, Workshops oder Interviews liefern wertvolle Einblicke.
2. Die Praktiken und Geschichte des Unternehmens reflektieren
Werte entstehen nicht im luftleeren Raum. Die Gründungsgeschichte, prägende Entscheidungen und Krisen zeigen oft sehr klar, wofür ein Unternehmen steht. Welche Managementpraktiken werden gelebt, wie werden Prozesse gestaltet? Aus den Antworten auf diese Fragen lassen sich die bereits gelebten Werte ablesen.
3. Werte gemeinsam formulieren
Werte sollten nicht im stillen Kämmerlein entstehen. Führungskräfte, Team und – je nach Organisation – Mitarbeiter*innen sollten einbezogen werden. Das stärkt Akzeptanz und Gemeinschaftsgefühl.
4. Klar und konkret bleiben
Gute Werte brauchen keine komplizierten Formulierungen. Lieber wenige, klar benannte Grundprinzipien als lange Listen ohne Wirkung.
5. In den Arbeitsalltag übersetzen
Der wichtigste Schritt: Wie zeigen sich die Werte im Verhalten?
· In Führung
· In Zusammenarbeit
· In Entscheidungen
· Im Umgang mit Kund:innen
Ein Code of Conduct oder Leitfaden kann helfen, Werte greifbar zu machen.
Unternehmenswerte leben statt nur formulieren
Führungskräfte als Schlüssel
Werte werden vorgelebt – oder nicht. Führungskräfte haben hier eine besondere Verantwortung. Ihr Verhalten prägt Kultur stärker als jedes Dokument.
Werte als Entscheidungsgrundlage nutzen
Ob Innovation, Zusammenarbeit oder Verantwortung: Werte sollten explizit in Entscheidungsprozesse eingebunden werden. Das macht sie relevant und wirksam.
Regelmäßig reflektieren und weiterentwickeln
Organisationen verändern sich. Werte dürfen stabil sein – aber sie müssen überprüft und weiterentwickelt werden. Nicht als Aktionismus, sondern als bewusster Prozess.
Best Practices: Was erfolgreiche Unternehmen gemeinsam haben
· Sie kennen ihre Werte – und können sie erklären
· Sie nutzen Werte als strategische Basis
· Sie integrieren Werte in Employer Branding und Kommunikation
· Sie messen Kultur nicht nur, sie gestalten sie aktiv
· Sie verstehen Werte als Plattform für Entwicklung und Zusammenarbeit
Fazit: Unternehmenswerte sind kein Nice-to-have, sondern das Herzstück
Unternehmenswerte geben Orientierung, schaffen Identität und stärken langfristig den Erfolg einer Organisation. Gerade im Mittelstand sind sie oft schon da – sie müssen nur sichtbar gemacht, benannt und bewusst gelebt werden.
Wenn du das Gefühl hast, dass eure Werte im Alltag wirken, aber nach außen (und manchmal auch nach innen) nicht klar greifbar sind, lohnt sich der nächste Schritt: innehalten, reflektieren, formulieren.
Denn starke Unternehmenswerte sind kein Selbstzweck. Sie sind die Grundlage für eine starke Unternehmenskultur, glaubwürdiges Employer Branding und nachhaltigen Unternehmenserfolg.
Du möchtest eure Unternehmenswerte schärfen?
Ob als Arbeitgeber*in, HR Veranwortliche oder Marketing-Teamlead. Ich begleite euch gern dabei – strategisch, klar und mit dem Blick fürs Ganze.
Lass uns ins Gespräch kommen.
Let’s create change.
Cheers,
Tanja





